Arbeitsunterlage · 117 Fragen in 17 Kapiteln · Stand Oktober 2026
Arbeitsunterlage für das Gespräch mit der Werksleitung und der Technik. Ziel ist nicht die Antwort im Gespräch, sondern die Liste der Dinge, die vor einem Vertragsentwurf geklärt sein müssen. Fragen sind nach Prozessstufe geordnet, Abwärme hat ein eigenes Kapitel. Werk 1 ist das Ziegelwerk Eferding, Werk 2 das Betonwerk Hörsching. Die Kapitel 2 bis 13 sind auf den Ziegelprozess geschrieben und gelten für Eferding; für Hörsching gilt Kapitel 17, die übrigen Kapitel sinngemäß.
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Welche Produktgruppen fertigt jedes Werk (Hochlochziegel, Planziegel, gefüllte Ziegel, Deckenziegel, Formziegel) und mit welchem Mengenanteil?
Jahreskapazität je Werk in Tonnen Brenngut und in Stück je Hauptformat; tatsächliche Auslastung der letzten drei Jahre?
Anzahl und Alter der Ofenlinien, Trockner, Pressen; letzte Generalsanierung; geplante Investitionen bis 2030?
Schichtmodell, Betriebstage pro Jahr, geplante Stillstände (Sommer, Weihnachten, Revision)?
Welche Formate laufen über 80 Prozent des Jahres, welche nur in Kampagnen?
Gibt es im Werk eine Entwicklungs- oder Versuchslinie, oder laufen Versuche auf der Produktionslinie?
Wer entscheidet technisch über Produktänderungen: Werk, Zentrale, externes Labor?
Herkunft des Tons je Werk: eigene Grube, Zukauf, Mischung; Restlaufzeit der Grubenrechte?
Mineralogische Bandbreite des Rohtons (Kalkgehalt, Schwefel, organischer Anteil) und wie stark schwankt sie über die Lagerstätte?
Welche Porosierungsmittel werden eingesetzt (Sägespäne, Papierfangstoff, Polystyrol, Sonnenblumenschalen) und in welchem Massenanteil?
Welche Zusatzstoffe werden heute schon dosiert (Bariumcarbonat, Flussmittel, Pigmente)?
Sumpfzeit und Mauktechnik: wie lange liegt der Ton zwischen Aufbereitung und Formgebung?
Gibt es Erfahrung mit Recyclingzuschlag (Ziegelbruch, Mauerwerksabbruch) im Rohstoff, und in welcher Quote?
Wie wird die Rohstofffeuchte geregelt, und wie empfindlich reagiert die Formgebung auf Abweichungen?
Pressentyp, Mundstückhersteller, Vakuumniveau, typische Strangpressgeschwindigkeit je Format?
Wie viele Mundstücke sind je Format im Umlauf, Standzeit eines Kerns, Wechselzeit?
Lochbild: Stegdicken, kleinste und größte Kammer, Toleranzen im Grünling und nach Brand?
Wäre eine zusätzliche definierte Kammer mit engerer Toleranz im Lochbild über das Mundstück abbildbar, ohne die Stegstatik zu verändern?
Wie wird der Strang geschnitten (Draht, Abschneider mit Fase), und wie präzise ist die Schnittlänge?
Welche Oberflächenbehandlung erfolgt am Grünling (Rillen, Nut-Feder-Profil, Grifflöcher)?
Gibt es Erfahrung mit Einlegeteilen oder Markierungen im Grünling (Stempel, Prägung, Codierung)?
Wie hoch ist der Grünlingsbruch, und wo entsteht er hauptsächlich?
Trocknertyp (Kammer, Tunnel, Schnelltrockner), Trocknungsdauer, Eintritts- und Austrittsfeuchte?
Woher kommt die Trocknerwärme heute: Ofenkühlzone, Rauchgas, Zusatzbrenner; Anteil in Prozent?
Temperaturprofil im Trockner, maximale Trocknertemperatur, Luftmengen?
Wie wird Trockenriss vermieden, und welche Formate sind rissempfindlich?
Wie viel Trocknerabluft geht ungenutzt ins Freie, mit welcher Temperatur und Feuchte?
Gibt es Zeiten, in denen der Trockner Wärme hat, aber kein Gut (Formatwechsel, Wochenende)?
Ofentyp, Länge, Besatz, Taktzeit, Brenntemperatur je Produktgruppe?
Energieträger: Erdgas, Anteil Biogas oder Wasserstoff in Erprobung, Umstellungsfähigkeit der Brenner?
Spezifischer Energieverbrauch in kWh pro Tonne Brenngut und pro Stück Hauptformat?
Temperatur und Massenstrom der Rauchgase nach Ofen, nach Nachverbrennung, am Kamin?
Welche Abgasreinigung läuft (Kalkfilter, thermische Nachverbrennung), und welche Temperatur hat das Reingas?
Wie wird die Kühlzone geführt, welche Luftmenge und Temperatur werden entnommen, wohin geht sie?
Wie hoch ist der Brennschwund, und wie stark schwankt die Endmaßhaltigkeit zwischen Ofenmitte und Rand?
Wie oft wird der Ofen heruntergefahren, und wie lange dauert Anfahren bis Produktionsqualität?
Welche Emissionszertifikate werden benötigt, und wie hat sich der Preis auf die Stückkosten ausgewirkt?
Werden Planziegel geschliffen, mit welchem Verfahren, welcher Abtrag, welche Planparallelität?
Wo bleibt der Schleifstaub, und wird er zurückgeführt?
Welche Ziegel werden gefüllt (Mineralwolle, Perlit, Steinwolleblöcke), und wie läuft die Füllanlage?
Mit welcher Technik werden Füllstoffe eingebracht, und wie wird ihre Lage kontrolliert?
Wäre eine Füllanlage geeignet, statt oder neben Dämmstoff ein definiertes Einsatzteil zu setzen?
Werden Ziegel heute schon nachträglich bearbeitet (Bohren, Fräsen, Ausnehmungen für Elektroinstallation)?
Wie hoch ist der Ausschuss nach Brand, und was passiert damit?
Welche Prüfungen laufen inline, welche im Labor (Druckfestigkeit, Rohdichte, Maß, Wärmeleitfähigkeit, Frost)?
Gibt es eine Rückverfolgbarkeit vom Ziegel zur Charge und zum Brenntag?
Wie wird heute ein Ziegel markiert, und wo ist die Markierung nach Vermauerung noch lesbar?
Welche Zulassungen und CE-Leistungserklärungen bestehen, und wann wurden sie zuletzt angepasst?
Wie lange dauert eine Änderung der Leistungserklärung bei Änderung des Lochbilds?
Welche Prüfstelle wird genutzt, und gibt es eine werkseigene Produktionskontrolle nach EN 771-1?
Paketierung je Format, Folie oder Haube, Palettenart, Lagerdauer vor Auslieferung?
Wie hoch ist der Transportbruch, und wie wird reklamiert?
Welche Entfernung haben die Hauptabnehmer, wie läuft der Rücktransport leerer Paletten?
Gibt es Rücknahmelogistik für Baustellenreste oder Fehllieferungen, die man für Kartuschenrücklauf nutzen könnte?
Welche Lagerfläche ist frei oder könnte frei werden?
Stromanschlussleistung, Eigenstromerzeugung (PV, BHKW), Spitzenlast?
Gasanschluss, Vertragsmenge, Preisbindung, Flexibilität nach unten?
Wasser: Herkunft, Verbrauch, Abwasser; gibt es ein Wasserrecht oder einen Bach am Gelände?
Dachflächen und Freiflächen in Quadratmetern, Ausrichtung, statische Reserve der Hallen?
Welche Wärmenetze oder Nachbarbetriebe liegen in Reichweite?
Druckluft, Vakuum, Prozesswärme auf niedrigem Niveau: was ist vorhanden, was wird abgeblasen?
Gesamtbilanz: Wie viel Energie geht in den Ofen, wie viel landet im Produkt, im Trockner, im Kamin, in der Hallenluft?
Welche Abwärmeströme sind heute ungenutzt, mit welcher Temperatur, welchem Massenstrom, welcher zeitlichen Verfügbarkeit?
Gibt es Abwärme auf 60 bis 150 Grad, die wegen des Temperaturniveaus nicht für den Trockner taugt?
Wie verhält sich die Abwärmeverfügbarkeit über Woche und Jahr; läuft der Ofen auch bei Produktionspause warm?
Gibt es Erfahrung mit Wärmetauschern im Rauchgas, mit Korrosion durch Schwefel oder Chlorid, mit Verschmutzung?
Wurde ein ORC-Prozess oder eine Wärmepumpe zur Abwärmenutzung geprüft, und warum nicht umgesetzt?
Welche Abwärmenutzung wäre innerhalb des Werks noch sinnvoll (Hallenheizung, Verwaltungsgebäude, Rohstoffvorwärmung)?
Wie ist die Hallenluft im Sommer, und gibt es ein Kühlproblem für Personal oder Steuerungstechnik?
Welcher Abwärmestrom hat ein Temperaturniveau von 80 bis 140 Grad mit stabilem Massenstrom über mindestens acht Stunden pro Tag?
Ist dieser Strom trocken oder feucht, staubhaltig oder sauber; kann er direkt oder nur über Wärmetauscher genutzt werden?
Gibt es am Werk eine Stelle, an der ein Regenerationsmodul von etwa 20 Fuß Containergröße aufgestellt werden könnte, mit Zugang für Lkw?
Wie würde der Rücklauf gesättigter Module logistisch laufen: über die bestehende Palettenrücknahme, über Händler, über eigene Touren?
Welche Luftmenge kann aus dem Werk entnommen werden, ohne die Trocknerbilanz zu stören?
Wäre ein Betrieb der Regeneration auch während Ofenstillstand über Wärmespeicher darstellbar, und gibt es dafür Platz?
Welche Genehmigungen bestehen für Abluft, und wäre ein zusätzlicher Abluftstrom aus der Regeneration genehmigungspflichtig?
Wer im Werk würde den Regenerationsbetrieb fahren: Ofenmannschaft, Instandhaltung, externer Betreiber?
Welches Format ist der Kandidat für ein erstes Serienlos: Planziegel, gefüllter Ziegel, Standardhochlochziegel?
An welcher Stelle im Lochbild ist eine definierte Kammer statisch am unkritischsten?
Wie groß darf eine Kammer sein, bevor Wärmeleitfähigkeit oder Druckfestigkeit die Zulassung verlassen?
Wie präzise lässt sich eine Kammer im Grünling halten, und welche Toleranz bleibt nach Brand und Schleifen?
Welche Lage im Ziegel ist nach Vermauerung zugänglich: Lagerfläche, Stoßfuge, Sichtseite nach Putz?
Welche Mindestlosgröße ist für einen Mundstückwechsel wirtschaftlich?
Wie wird sichergestellt, dass ein Ziegel mit Aufnahme in Verband, Mörtelbett und Dünnbettkleber identisch zum Standard verarbeitet wird?
Welche Prüfungen müsste der Ziegel mit Aufnahme zusätzlich bestehen, damit die Leistungserklärung gültig bleibt?
Wo im Prozess wird der Stopfen gesetzt: im Werk nach Brand, beim Händler, auf der Baustelle?
Welche Materialien für den Stopfen verträgt das Werk prozessseitig (Keramik, Kunststoff, Holzfaser)?
Wie wird der Stopfen gegen Herausfallen beim Transport gesichert, ohne die Aufnahme zu verändern?
Wie viel Handarbeit ist je tausend Ziegel akzeptabel, bevor der Prozess automatisiert werden muss?
Wie sieht der Rückbau am Lebensende aus: Trennbarkeit von Modul und Ziegel im Abbruch?
Welche Daten entstehen heute im Prozess digital, und wo werden sie gespeichert?
Gibt es ein ERP oder MES, und wie offen sind die Schnittstellen?
Wie ist der Stand zum digitalen Produktpass nach Bauproduktenverordnung, wer ist intern verantwortlich?
Welche Daten darf das Werk nach außen geben, welche sind Geschäftsgeheimnis?
Wäre das Werk bereit, Chargendaten eines Ziegels mit Aufnahme an ein Register zu melden?
Welche Förderungen laufen oder sind beantragt (Umweltförderung, Energieeffizienz, Standortförderung Oberösterreich)?
Welche Auflagen aus Emissionshandel oder Energieaudit stehen bis 2030 an?
Wann ist der nächste Formatwechsel oder Mundstückneubau ohnehin geplant?
Welche Zeit braucht das Werk vom Entschluss bis zum ersten Serienlos mit geänderter Kammer?
Wer ist auf Werksebene Ansprechpartner für Technik, wer für Genehmigungen, wer für Energie?
Welche Prozesse, Lieferanten und Kunden teilen sich Ziegelwerk und Betonwerk, welche sind getrennt?
Könnte das Ziegelwerk Träger fertigen und das Betonwerk Module oder Einsatzteile, oder umgekehrt?
Welche Transportentfernung liegt zwischen den Werken, und gibt es Pendelverkehr?
Welche Lehren aus früheren Produkteinführungen gelten für beide Werke?
Welche Produkte fertigt das Betonwerk (Fertigteile, Decken, Wände, Schächte, Pflaster, Sonderteile) und in welchem Mengenanteil?
Welche Betongüten und Zementarten laufen, und wie hoch ist der Klinkeranteil; gibt es Erfahrung mit CO2-reduzierten Bindemitteln?
Wie werden Fertigteile gehärtet: Dampf, Wärmekammer, Umgebung; welche Temperaturen, welche Dauer, welche Energiequelle?
Welche Abwärme fällt im Betonwerk an (Härtekammern, Druckluft, Hydratation), auf welchem Niveau, und wird sie genutzt?
Wie werden Einbauteile heute gesetzt (Hülsen, Anker, Leerrohre, Transportanker): manuell, über Schalungsmagnete, über Roboter?
Welche Toleranzen erreichen Einbauteile in Lage und Ausrichtung nach dem Ausschalen?
Wäre eine genormte Aufnahme als Einbauteil in der Schalung ohne Änderung der Bewehrungsführung platzierbar?
Welche Oberflächen bleiben an Fertigteilen nach Einbau zugänglich (Sichtbeton, Stirnseiten, Fugen)?
Wie läuft die Qualitätssicherung an Fertigteilen (Festigkeit, Maß, Lage der Einbauteile), und gibt es eine Rückverfolgbarkeit je Teil?
Welche Zulassungen oder Leistungserklärungen würden durch ein zusätzliches Einbauteil berührt?
Gibt es Erfahrung mit Sensorik in Betonteilen (Reifegrad, Feuchte, Riss) aus Projekten oder Forschungskooperationen?
Welche Freiflächen, Dachflächen und Energieanschlüsse hat das Betonwerk, und wie ist der Stromlastgang im Vergleich zum Ziegelwerk?
Welche Produkte könnten Ziegel und Betonteil im selben Bauwerk kombinieren, sodass dieselbe Aufnahme in beiden sitzt?
Beim Absenden geht eine Kopie mit allen Eingaben als Textdatei an sr@ritzbergers.at. Optional eine weitere Adresse.
Die Fragen davor betreffen den Bestand. Es gibt darüber hinaus Wege, die den Energiebedarf des Werks nicht optimieren, sondern seine Herkunft verändern. Sie gehören nicht in dieses Gespräch, sondern in eine spätere Auskopplung, und werden hier nur benannt.
Energievektoren. Ein Werk hat heute einen Eingang (Gas) und einen Ausgang (Abwärme). Denkbar ist ein Pfad, auf dem mehrere Vektoren nebeneinander laufen: Wärme, Strom, Stoff, Zeit. Die Aufnahme im Ziegel ist das Ende dieses Pfads, nicht sein Anfang.
Erneuerbare Energien, insbesondere Sonnenenergie. Dach- und Freiflächen eines Ziegelwerks sind groß, die Lasten sind planbar, der Wärmebedarf liegt auf einem Niveau, das Sonne liefern kann. Die Frage ist nicht, ob, sondern mit welcher Nachführung, welcher Speicherung und welcher Kopplung an den Trockner.
Alte Mühlen mit Wasserrecht. Es gibt stillgelegte Kleinkraftwerke und Mühlenstandorte mit bestehendem Wasserrecht in der Nähe vieler Ziegelstandorte. Ein bestehendes Wasserrecht ist ein Vermögenswert, der wiederbelebt werden kann, bevor er verfällt.
Antikythera. Das älteste bekannte Räderwerk zur Berechnung astronomischer Zyklen zeigt, dass Steuerung ohne Elektronik möglich ist, präzise und über Jahrhunderte robust. Für die Nachführung von Sonnenanlagen und für die Grundebene eines gestuften Systems ist das eine Denkrichtung, keine Nostalgie.
Diese Wege werden erst nach Abschluss der ersten Stufe eröffnet.